Aktuell

Corona und die Luftfahrt: Aktuelle Marktsituation und Entwicklungsszenarien für die Zulieferindustrie

Die Corona-Pandemie hat die Luftfahrtbranche abrupt auf den Kopf gestellt. Aufgrund der rasanten Ausbreitung des Virus und der nationalen Maßnahmen zur Eindämmung kam der Luftverkehr binnen weniger Tage und Wochen nahezu vollständig zum Erliegen. Auch sechs Monate nach Beginn der Corona-Krise in Deutschland liegt das Passagieraufkommen noch immer deutlich unter dem Vorkrisen-Niveau. Die Auswirkungen auf die Fluggesellschaften, die Flugzeugbauer sowie deren Zulieferer waren und sind immens. Welche Auswirkungen werden diese Einschnitte auf die Entwicklung der Branche in den kommenden Jahren haben? Dieser Frage geht die h&z Unternehmensberatung in ihrer Studie “Future developments in the global commercial aircraft market” nach.

© angelha (istock)

Autoren: Michael Santo und Steffen Wenzel, h&z Unternehmensberatung AG

Status quo der Luftfahrtbranche vor Ausbruch der Covid-19-Pandemie

Die Passagierzahlen sind in den vergangenen 20 Jahren weltweit gestiegen. Die Fluggesellschaften haben deshalb in die Aufstockung ihrer Flotten investiert. Die Auftragsbücher von Airbus und Boeing – insbesondere im Narrow-Body-Segment – waren gut gefüllt. 

Doch bereits vor der Corona-Pandemie haben verschiedene Branchenentwicklungen zur Neubewertung und Anpassungen der Auftragsbestände und Produktionsraten beigetragen. Aufgrund eines Softwarefehlers und dem Absturz zweier Maschinen musste Boeings neues Flaggschiff, die B737 Max, seit März 2019 am Boden bleiben. Die Auslieferung der ersten chinesischen Comac CR919 und der russischen Irkut MC21 wird voraussichtlich zu einem geringeren Marktanteil für Airbus und Boeing in deren Heimatländern China und Russland – sowie möglicherweise auch in den umliegenden Regionen – führen.

Der Luftfahrtmarkt bis 2030: Szenarien geben Ausblick auf die mögliche Entwicklung

Covid-19 hat alles verändert. Die Auswirkungen auf die Luftfahrtindustrie sind beispiellos. Fluggesellschaften, Flugzeughersteller und Zulieferer müssen sich auf die veränderten Rahmenbedingungen einstellen und die damit verbundenen Herausforderungen bewältigen.

Unbestritten ist, dass der Luftverkehr sich erholen wird und die Passagierzahlen zunehmen werden. Das Wachstums wird sich jedoch aufgrund der Corona-Pandemie verschieben und erheblich verlangsamen.

h&z hat in der vorliegenden Studie drei verschiedene Szenarien für die Entwicklung der Luftfahrtbranche entworfen: Best case, realistic case, worst case. Der realistischen Einschätzung nach wird das Narrow-Body-Segment erst 2024 wieder das Vorkrisenniveau erreichen, da sich das Luftverkehrsaufkommen aufgrund der Pandemie erst ab 2022 normalisieren wird. Die Erholung im Wide-Body-Segment wird im Vergleich langsamer verlaufen. Hier ist anzunehmen, dass das Vorkrisenniveau sogar erst 2030 wieder erreicht wird (Realistic Case). Dies wird sich entsprechend auf die Anpassung der Produktionszahlen und damit auf die Zulieferkette auswirken. So ist die Zahl der Triebwerksauslieferungen eng mit der Entwicklung der Flugzeugflotten verbunden, so dass auch in diesem Bereich erst 2025 eine Normalisierung auf Vorkrisenniveau realistisch ist.

Es ist davon auszugehen, dass einige – auch hochkarätige – Fluggesellschaften und Branchenakteure diese schwierige Zeit nicht überstehen werden.

Ausblick

Die Luft- und Raumfahrt ist eine der Branchen, die besonders stark von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen ist. Es ist zwar grundsätzlich unbestritten, dass der Luftverkehr und die Produktionsraten wieder zunehmen werden, dennoch besteht die Gefahr, dass Verhaltensveränderungen der Privatreisenden wie auch der Geschäftsreisenden einen langfristig negativen Einfluss auf die Entwicklung des Marktes haben werden.

Vorhandene Überkapazitäten aufgrund des erwarteten Hochlaufs der Produktion und ein zunehmender Kostendruck stellen alle Akteure in der Lieferkette – vom OEM über Tier-1 bis hin zu Tier-2/3-Lieferanten – vor große Herausforderungen und schwerwiegende Konsequenzen. Eine Marktkonsolidierung ist unvermeidlich. Um auf die globale Krise und Rezession gut vorbereitet zu sein, müssen OEMs, Zulieferer und alle anderen Parteien der Branche zusammenarbeiten, ihre Wertschöpfungsketten flexibler gestalten, die Finanzierung sichern und agiler werden. Unternehmen, die schnell und flexibel agieren und sich als Organisation entwickeln, haben die besten Chancen die Krise zu überstehen.

 

Die h&z-Studie “Future developments in the global commercial aircraft market” können Sie hier herunterladen.

 

Kontakt: 
Michael Santo 
E-Mail

SteffenWenzel
E-Mail

h&z Unternehmensberatung AG  |  Max-Joseph-Str. 6  |  D-80333 München
www.huz.de