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Impressionen aus der Luft: Von Goebbels bis zur FDJ - historische Begegnungen am Bogensee

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Am Bogensee in der brandenburgischen Gemeinde Wandlitz haben verschiedenste Ideen und Visionen ihren Ursprung genommen: Von der Rede vom „Totalen Krieg" über neue Filmprojekte bis hin zur Ausbildung kommunistischer Ideale. Seit vielen Jahren stehen die Gebäude leer und sind dem Verfall preisgegeben. Künstler, Denkmalschützer und Visionäre tüfteln nun neue Konzepte aus, um die historische Begegnungsstätte zu erhalten.

Die Geschichte des rund 500 Hektar großen Areals beginnt in den 1930er Jahren. Damals erhielt Joseph Goebbel das Grundstück mit einem kleinen Blockhaus von der Stadt Berlin zu seinem 39. Geburtstag geschenkt. Um den hohen repräsentativen Ansprüchen des NS-Propagandaministers gerecht zu werden, ließ dieser einen imposanten Landsitz errichten. Mit 30 Zimmern, einem Kino und versenkbaren Fenstern war das Gebäude ein beliebter Treffpunkt der Ufa-Stars, unter ihnen Zarah Leander und Heinz Rühmann.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges übergab die Sowjetische Militäradministration das Gelände 1946 an die neu gegründete Freie Deutsche Jugend (FDJ), die dort ihre Jugendhochschule zur Ausbildung des Kadernachwuchses einrichtete.

Bereits ein Jahr nach der Übergabe wurde der Grundstein für den Ausbau der zunächst nur provisorisch eingerichteten Jugendhochschule gelegt. Errichtet wurden ein Lektionsgebäude, ein Internat und ein Gemeinschaftshaus. In dem ehemaligen Landhaus, wo einst Goebbels und seine Gäste rauschende Feste feierten, zogen ein Kindergarten, eine Konsum-Verkaufsstelle, ein Friseur sowie die Direktion der Jugendhochschule ein.

Zunächst wurden nur ostdeutsche Jugendliche in der Hochschule unterrichtet. Mit den Jahren wurden aber auch immer mehr Studenten aus befreundeten sozialistischen Ländern aufgenommen, sodass in den 1980er Jahren eine Sporthalle, ein Heizhaus, ein weiteres Internatsgebäude und ein Restaurant gebaut wurden. Zugleich wurde im Lektionsgebäude die zweitgrößte Simultanübersetzungsanlage der DDR mit 18 Fremdsprachenkabinen und 560 Sitzplätzen errichtet.

Mit dem Ende der DDR wurde die Jugendhochschule abgewickelt und das Areal fiel an das Land Berlin als Eigentümer zurück. Noch bis 1999 wurden verschiedene Nutzungskonzepte umgesetzt, keines konnte jedoch einen dauerhaften Erfolg sicherstellen. Seither stehen die denkmalgeschützten Gebäude leer. Der geplante Verkauf an einen privaten Investor wurde mittlerweile gestoppt, da die Gefahr zu groß ist, dass Strohmänner rechtsextremistischer Gruppen das Areal erwerben könnten. Die Stadt Berlin strebt deshalb nun einen langfristigen Pachtvertrag an und prüft verschiedene Offerten. Unter anderen bemüht sich die Akademie Bogensee GmbH um das Gelände. Sie möchte das Areal wieder als Bildungsstätte nutzen und vielfältige Angebote etablieren. Weiterbildungen, kulturelle Veranstaltungen sowie Workshops sollen dort durchgeführt werden und den „Campus Bogensee" wieder zu einer Begegnungsstätte für Künstler, Akademiker, Wissenschaftler und Erholungssuchende machen.

Die Aufnahme des Bogensee-Areals stammt aus dem September 2016 und wurde uns von Helicolor-Luftbild-Ost zur Verfügung gestellt. Vielen Dank für diese einzigartige Aufnahme.

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